So sieht Kirche in Texas aus (zumindest die baptistische):
Am Flügel: Mein Gastvater, Robert
Am Piano: Mein Gastbruder, Alex
Die Ankündigung: Tom, “Music Minister”
Übrigens, schaut euch den Gesichtsausdruck von Casey an (Sängerin, zweite von links), die hat Alex’ Piano-Spiel bei der Performance zum ersten Mal gehört oder mitbekommen, dass er in der Messe spielen sollte… die war völlig perplex :D
Due to tomorrow (Dienstag): Math Competition. Ein Mathe-Wettbewerb, den ich bis heute überhaupt vergessen hatte, findet morgen statt… ich nehme übrigens teil. Hatte ich jetzt auch noch nicht soo wirklich realisiert… naja. Wird wohl ganz lustig werden :D
Ach, und übrigens… ich bin ja jetzt auch schon ein paar mal in der Kirche gewesen, jeden Sonntag und Mittwoch in der Westwood Baptist Church. Die Kirchen-Erfahrungen werde ich nochmal separat aufschreiben, denn da wird sich noch was aufaddieren (Black Gospel Church, Katholiken, Methodisten, …). Nein, was ich eigentlich sagen wollte… als ich das erste Mal in der Westwood Baptist war, waren da auch so zwei Mädchen, eines schien einen Freund zu haben. Ich hab sie für ungefähr 15 oder 16 gehalten, ihn für höchstens 17… – und das ist so ein Paar, bei dem ich mir gedacht hab: Das wird doch nie was. In zwei Wochen sind beide wieder Single… Auf Facebook geaddet, ergab sich, dass sie in Wirklichkeit ganze 19 (neunzehn!) ist und dass sie ihren “Freund” eigentlich schon “Ehemann” nennt, zusätzlich habe ich dann ein Fotoalbum namens “WEDDING!!!” entdeckt. Ja, die beiden sind schon verheiratet, er ist eigentlich auch älter… America is strange. :D
Und den Physik-Test scheine ich doch nicht in den Sand gesetzt zu haben, trotz dass ich FÜNF von 15 Aufgaben im Endergebnis falsch hatte, habe ich in dem Test sage und schreibe eine Note von 98% bekommen, was wohl 15 Punkten a.k.a. sehr gut plus entspricht.
Das hat mir mein Gastvater erzählt, Thanksgiving in einer Kirche in New Mexico, er als Musiker dabei…
“[...] And god wanted us to celebrate food on Thanksgiving. – That would be two hamburgers, two 6-chicken mcnuggets, three huge french fries – yeah, curry.”
Nun, niemand hatte damit gerechnet, dass der McDrive vom McDonalds gegenüber der Kirche auf der selben Frequenz funkt wie das Mikrofon des Pastors… Gott hat gesprochen, guys!
Update: Über Kirche wird hier noch mehr kommen… mein Gastvater spielt in der Westwood Baptist Church, da war ich jetzt auch schon an einem Sonntag in der Messe und in der Sonntagsschule (Gehirnwäsche?!) und an einem Mittwoch zum… Essen (ja, Essen. Welcome to America.). Und es ist geplant, eine Black Gospel Church zu besuchen.
Hier scheint ziemlich viel Geld in die Bildung zu fließen, im Gegensatz zu Deutschland.
Die Schule verleiht Instrumente kostenlos; hat noch jede Menge auf Lager; jeder Klassenraum ist mit einem PC für den Lehrer ausgestattet (und natürlich Netzwerkanbindung); die Lehrer verteilen Blöcke und all son Zeugs kostenlos innerhalb ihrer Stunden; in den Engineering-Räumen hat man jede Menge Fischer-Technik (kennt die von euch noch jemand?) angeschafft; und die Räume eines jeden Faches, das irgendwie was mit PCs zu tun haben könnte, sind mit PCs für jeden Schüler ausgestattet (Business-Räume, Engineering-Räume, Computer Science, … – da kommt man sicher auf 10 bis 15 Räume, die vollständig mit PCs und Netzwerkanbindung ausgestattet sind). Beamer natürlich auch, davon gibt’s auch genug. Tageslichtprojektoren gibt es nicht mehr, dafür ähnliche Geräte, die aussehen wie Schreibtischlampen und die an den Beamer angeschlossen werden. Praktische Dinger.
Die Band hat ihre eigene Halle, jede Menge Lizenzen für Musikstücke natürlich auch, Sporthallen, und noch andere Gebäude (von denen manche teilweise noch vom Militär/der Regierung mitgenutzt werden, aber das sind nur die weiter äußeren). An Personal scheint es auch nicht zu mangeln, und vor allem hat der Tyler Independent School District (Tyler ISD – ein Zusammenschluss aus vielen Schulen in Tyler) auch eine wirklich schöne – so scheint es mir jedenfalls – Softwarelösung gefunden, mit der alle Schulen arbeiten: Da laufen Stundenpläne, Abwesenheitslisten, Schülerlisten, Notenbücher, Klassenbücher (die man aber in der High School nicht mehr braucht) – das läuft alles dort bei dieser Software zusammen. Schon beeindruckend irgendwie. Muss aber auch ordentlich kosten.
Und die Kirchen – die 200 Kirchen hier am Ort – beziehen ja auch irgendwo her ihr Geld. Ich meine, Instrumente, Gebäudeinstandhaltung (oder -Neubau), Innenausstattung, Mitarbeiter, das kostet ja auch was.
An Kohle scheint’s hier also nicht zu mangeln…
Ja, so in etwa. Die Polizeipräsenz an dieser Schule ist ziemlich groß, okay, das ist bei 2000 Schülern auch berechtigt. Niemand darf länger als 5 Minuten durch die Gänge schleichen, und wer außerhalb der Pausen irgendwo auf einem Gang ist, der muss einen “Hall Pass” haben. Niemals auf dem Flur stehen bleiben und mit anderen reden, auch das ist verboten. Sonst haben sie dich dran! – man kann, wenn ich die morgentliche Ankündigung richtig verstanden habe – sogar suspendiert werden, wenn’s öfter als einmal vorkommt.
Gestern morgen war dann “School Spirit”. Und es war wie in den typischen amerikanischen Schul-Serien – man kam in die Sporthalle und wurde erschlagen von der amerikanischen Protzkapelle a.k.a. Marching Band, in der ich dann auch später mitspielen werde. Vorne auf den Bänken saßen die Football-Spieler der JT Lions in ihren blauen Trikots, links und rechts standen die Cheerleader, hinten in der recht kleinen Halle – und zwar untypischerweise nicht in den blauen Uniformen der wie der Name schon sagt “Big Blue Band” der John Tyler High School, sondern in schwarzen T-Shirts. Hier muss man auch performen können in der Marching Band, wie genau das funktioniert, werd’ ich noch lernen… War aber ziemlich beeindruckend, zumal das Footballspiel gestern Nachmittag auch (glaube ich?) abgesagt wurde wegen Regens und Gewitter.
Wegen dem “School Spirit” wurde ich gestern morgen auch von meinem Engineering-Lehrer mit einem “Kotsch, gehen Sie dort hin” begrüßt. Der Typ will mich anscheinend damit beeindrucken, dass er ein ganz klein wenig Deutsch kann und irgendwann mit’m Militär in Deutschland stationiert war (so wie mein Gastvater übrigens auch, nur dass der Englisch mit mir spricht und mich nicht beeindrucken will). Ansonsten scheint er aber ziemlich… kontrollsüchtig zu sein, wie mir scheint. Alles muss nach Plan laufen, und was er lehrt, scheint ganz offensichtlich nicht von ihm zu sein, da könnte ich mich auch genauso nach vorne stellen und Blätter austeilen. So ganz viel von Präsentationen versteht er auch nicht, denn als “gutes” Beispiel legt er mir hier eine Präsentation mit drei Seiten Fließtext für eine Überschrift aus, zudem wurde seitenweise Zeugs ausm Internet kopiert.
Lehrer sind hier sowieso so eine Sache, und der Unterricht auch. Hier kann der Spanischlehrer auch im Unterricht mit seinem eigenen Handy laut HipHop oder eben spanisch-mexikanische Musik hören, manche Lehrer halten es auch manchmal für angebracht, einfach nichts im Unterricht zu tun – 1,5 Stunden muss man ja irgendwie tot schlagen. In Physik werden hier Einheiten hin und her gerechnet, Liter nach Gallonen, Pecks nach Pints, Foot nach Inches oder weiß der Henker. Was man in Deutschland eben in der 6. Klasse in Mathe lernt, Einheiten und wie man mit ihnen spielt. Das ist Physik Stufe 11 USA High School.
In dieser verdammt riesigen Schule hab’ ich immer noch Probleme, mich zu orientieren, was mir ja eigentlich eher nicht passieren sollte. Aber das meiste an Unterricht ist bei mir draußen, weshalb ich eben etwas länger brauche, um mich in den fünf Blocks drinnen orientieren zu können. D13 – wie komm ich denn da jetzt hin? Gute Frage, nichts-helfende Antwort: Auf jeden Fall zu spät. Haha.
Warum glaubt eigentlich jeder, dass ich sein Englisch verstehe, wenn er schnell und mit Slang spricht? Warum? Ich meine, ich kann ja nicht mal das Schweizerdeutsch verstehen, folglich manche Amis vielleicht auch andere Dialekte nicht, aber ich soll ihren kennen? Manche meinen, ich hätte einen starken Akzent, andere sagen, ich wäre schon ziemlich gut und würde nicht mehr allzu viele Fehler machen… was ich sagen kann, ist, dass Alex – mein Gastbruder aus der Slovakei – einen starken Akzent hat.
Übrigens lernt man hier im English AP den ganzen rhetorische-Analyse-Quatsch nochmal anders. Aber dazu später was, ich weiß bloß nicht, ob Frau Gabriel das nun als Triumph empfinden sollte oder als Niederlage, wenn sie das liest… :D Übrigens: Im English AP muss ich keine Introduction schreiben. Nur im US History AP; aber beide Lehrer betonen immer gegenseitig, dass das Schreiben im jeweiligen anderen Fach ganz unterschiedlich ist, und man das nicht verwechseln sollte.
Eins frage ich mich ja immer noch. TravelWorks hat uns erzählt, dass hier in den USA ganz viele Jugendaktivitäten von der Kirche ausgehen. Nun, ein Problem tut sich da bei mir in diesem Ort auf: Hier gibt es 200 Kirchen. ZWEIHUNDERT verschiedene Kirchengemeinden, jede von ihnen hat ihre eigene Kirche aufgebaut. Manche haben nur 40 Mitglieder, die größte hat glaube ich 8000. Und in jedem noch so kleinen Ort wird man immer zwei Kirchen finden: Die Methodisten und die Baptisten, egal wie klein der Ort ist. Was eine Haarspalterei. :D
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