Here we go, ich nehme mir jetzt einfach mal Zeit, um was zu schreiben. Ich hab sie zwar eigentlich nicht, aber das ignoriere ich dann einfach mal.
Warum so einen straffen Zeitplan? Die Big Band nimmt ziemlich viel Zeit ein. Schule von 8:30 bis 16 Uhr, in den letzten drei Wochen war dann montags, dienstags und donnerstags Band Practice von 16:15 bis variierend, mal 18 Uhr, mal 17:30, mal 19 Uhr. Die Band Practice ist natürlich dazu da, um auf das Highlight einer jeden Woche hinzuarbeiten, namentlich: Footballgame. Jeden Freitag spielen die High Schools gegeneinander, und mit dabei sind natürlich jedes mal die Band, die Cheerleader, das Drill Team (unsere heißen “Brigadettes”). Das Drill Team ist so eine Sache – der Unterschied zu den Cheerleadern ist, dass die Cheerleader ihr eigenes Bier haben und das Drill Team mit der Band zusammenarbeitet. Die Cheerleader machen ihr Zeugs am Rande des Spielfelds, wie es ihnen gerade passt – und das Drill Team performt zu bestimmten Band-Songs. Ganz daneben gibt’s dann noch die sogenannten Color Guards, die bei der eigentlichen Performance der Band in der Halbzeitpause Fahnen schwenken und auf dem Feld rumhüpfen.
Lustige Sache, und wie die meisten schon aus dem vorherigen Absatz schließen können – ja, die Band hat eine Performance in der Halbzeitpause. Normalerweise bestand die aus ABC, I want you back und Thriller unter dem Motto “Paying tribute to Michael Jackson”; zum jetzigen Saisonende wurde aber daran rumgebastelt, sodass wir nun ein paar andere, mehr für Stimmung sorgende Lieder spielen (zumindest unter den Musikern, mitsingen kann man das nicht unbedingt).
Während des Spiels hat die Band einen Block auf der Zuschauertribüne. Dort werden Songs gespielt, wie gerade angesagt, es kommen immer mal neue dazu oder auch typische Ohrwürmer wie ESPN oder Talkin’ out the side of your Neck. Oder ganz klassisch: der “Hey-Song”. Dann wird natürlich bei jedem Homerun Touchdown der sogenannte Fight-Song der Schule runtergeträllert – der mich inzwischen übrigens ziemlich nervt, weil man ihn ziemlich oft spielt.
Also, finally, bin ich nun seit vier Wochen mit dabei. Letzte Woche war ich das erste Mal mit auf dem Feld, und morgen werde ich es wieder sein. Nun, letzte Woche war die sogenannte Homecoming Week. Bisher konnte mir niemand erklären, und zwar niemand, warum es Homecoming heißt und was es überhaupt bedeutet. Wikipedia hat mir nun geflüstert, dass man ehemalige Schüler mit der Ausrichtung eines Footballspiels ehrt. Nun, das war hier dann doch etwas besonderes, man könnte es als Revierderby bezeichnen: Die beiden High Schools aus dieser Stadt haben gegeneinander gespielt. Die John Tyler Lions gegen die Robert E. Lee Red Raiders. Trotz dass unsere Lions bisher jedes Spiel gewonnen haben und trotz dass die Red Raiders nur drei knapp gewonnen und den Rest verloren haben – es war quasi wie immer, JT hat’s nicht gemacht. Endstand: 24:17 für REL. Dafür ist man dann umso erwartungsvoller für morgen (im Moment ist hier noch Donnerstag, nicht verwechseln ;)).
Videos: In production. Mal sehen, ob morgen gefilmt wird, mal sehen, wann ich besser bin mit der Performance, morgen oder ob es letzte Woche war. Morgen ist, soweit ich weiß, das letzte Spiel der Saison. Danach geht’s in die Concert Season für die Band, was bedeutet: Konzerte und Wettbewerbe. Stichwort “All Region” – ein Wettbewerb der High School Schüler der Region. An die Musik für das Zeugs hab ich mich noch nicht rangewagt…
Upcoming: Marching. Ab Freitag werde ich in offiziell in der Marching Band sein und beim ersten Football-Spiel spielen.
In dem Sinne habe ich seit heute eine Uniform und einen Hut, Schuhe müssen noch bestellt werden. Morgen wird ein Band-Shirt gekauft und sogenannte “Black Wind Pants”, wobei das “Wind” aus “Wind Ensemble” entnommen ist, was auf gut Deutsch Blasorchester heißt. Quasi eine Sporthose… Und mir fehlt immer noch die Hälfte von dem ganzen Musik-Stuff. Wir werden sehen… :D
Ja, so in etwa. Die Polizeipräsenz an dieser Schule ist ziemlich groß, okay, das ist bei 2000 Schülern auch berechtigt. Niemand darf länger als 5 Minuten durch die Gänge schleichen, und wer außerhalb der Pausen irgendwo auf einem Gang ist, der muss einen “Hall Pass” haben. Niemals auf dem Flur stehen bleiben und mit anderen reden, auch das ist verboten. Sonst haben sie dich dran! – man kann, wenn ich die morgentliche Ankündigung richtig verstanden habe – sogar suspendiert werden, wenn’s öfter als einmal vorkommt.
Gestern morgen war dann “School Spirit”. Und es war wie in den typischen amerikanischen Schul-Serien – man kam in die Sporthalle und wurde erschlagen von der amerikanischen Protzkapelle a.k.a. Marching Band, in der ich dann auch später mitspielen werde. Vorne auf den Bänken saßen die Football-Spieler der JT Lions in ihren blauen Trikots, links und rechts standen die Cheerleader, hinten in der recht kleinen Halle – und zwar untypischerweise nicht in den blauen Uniformen der wie der Name schon sagt “Big Blue Band” der John Tyler High School, sondern in schwarzen T-Shirts. Hier muss man auch performen können in der Marching Band, wie genau das funktioniert, werd’ ich noch lernen… War aber ziemlich beeindruckend, zumal das Footballspiel gestern Nachmittag auch (glaube ich?) abgesagt wurde wegen Regens und Gewitter.
Wegen dem “School Spirit” wurde ich gestern morgen auch von meinem Engineering-Lehrer mit einem “Kotsch, gehen Sie dort hin” begrüßt. Der Typ will mich anscheinend damit beeindrucken, dass er ein ganz klein wenig Deutsch kann und irgendwann mit’m Militär in Deutschland stationiert war (so wie mein Gastvater übrigens auch, nur dass der Englisch mit mir spricht und mich nicht beeindrucken will). Ansonsten scheint er aber ziemlich… kontrollsüchtig zu sein, wie mir scheint. Alles muss nach Plan laufen, und was er lehrt, scheint ganz offensichtlich nicht von ihm zu sein, da könnte ich mich auch genauso nach vorne stellen und Blätter austeilen. So ganz viel von Präsentationen versteht er auch nicht, denn als “gutes” Beispiel legt er mir hier eine Präsentation mit drei Seiten Fließtext für eine Überschrift aus, zudem wurde seitenweise Zeugs ausm Internet kopiert.
Lehrer sind hier sowieso so eine Sache, und der Unterricht auch. Hier kann der Spanischlehrer auch im Unterricht mit seinem eigenen Handy laut HipHop oder eben spanisch-mexikanische Musik hören, manche Lehrer halten es auch manchmal für angebracht, einfach nichts im Unterricht zu tun – 1,5 Stunden muss man ja irgendwie tot schlagen. In Physik werden hier Einheiten hin und her gerechnet, Liter nach Gallonen, Pecks nach Pints, Foot nach Inches oder weiß der Henker. Was man in Deutschland eben in der 6. Klasse in Mathe lernt, Einheiten und wie man mit ihnen spielt. Das ist Physik Stufe 11 USA High School.
In dieser verdammt riesigen Schule hab’ ich immer noch Probleme, mich zu orientieren, was mir ja eigentlich eher nicht passieren sollte. Aber das meiste an Unterricht ist bei mir draußen, weshalb ich eben etwas länger brauche, um mich in den fünf Blocks drinnen orientieren zu können. D13 – wie komm ich denn da jetzt hin? Gute Frage, nichts-helfende Antwort: Auf jeden Fall zu spät. Haha.
Warum glaubt eigentlich jeder, dass ich sein Englisch verstehe, wenn er schnell und mit Slang spricht? Warum? Ich meine, ich kann ja nicht mal das Schweizerdeutsch verstehen, folglich manche Amis vielleicht auch andere Dialekte nicht, aber ich soll ihren kennen? Manche meinen, ich hätte einen starken Akzent, andere sagen, ich wäre schon ziemlich gut und würde nicht mehr allzu viele Fehler machen… was ich sagen kann, ist, dass Alex – mein Gastbruder aus der Slovakei – einen starken Akzent hat.
Übrigens lernt man hier im English AP den ganzen rhetorische-Analyse-Quatsch nochmal anders. Aber dazu später was, ich weiß bloß nicht, ob Frau Gabriel das nun als Triumph empfinden sollte oder als Niederlage, wenn sie das liest… :D Übrigens: Im English AP muss ich keine Introduction schreiben. Nur im US History AP; aber beide Lehrer betonen immer gegenseitig, dass das Schreiben im jeweiligen anderen Fach ganz unterschiedlich ist, und man das nicht verwechseln sollte.
Eins frage ich mich ja immer noch. TravelWorks hat uns erzählt, dass hier in den USA ganz viele Jugendaktivitäten von der Kirche ausgehen. Nun, ein Problem tut sich da bei mir in diesem Ort auf: Hier gibt es 200 Kirchen. ZWEIHUNDERT verschiedene Kirchengemeinden, jede von ihnen hat ihre eigene Kirche aufgebaut. Manche haben nur 40 Mitglieder, die größte hat glaube ich 8000. Und in jedem noch so kleinen Ort wird man immer zwei Kirchen finden: Die Methodisten und die Baptisten, egal wie klein der Ort ist. Was eine Haarspalterei. :D
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