Einige Zeit ist seit dem letzten längeren Eintrag vergangen, und hier ist der Verlauf…
Die besagte Math Competition ist schon lange vorbei und wurde quasi kläglich verloren. Die zwei öffentlichen High Schools und die drei Privaten sind gegeneinander angetreten, und ich, Alex sowie zwei Mädchen von unserer Schule sollten eben diese repräsentieren. Es gab drei verschiedene Tests, Algebra 2, Precalculus und Calculus; wobei ich den Precal-Test gewählt hab. Zuerst einmal war ich aufgeschmissen, denn es waren keine Taschenrechner erlaubt; und ich hab wirklich keine Lust, den Tangens von sieben-sechstel pi im Kopf auszurechnen; nichtmal, wenn das ganze Multiple Choice war. Deshalb hab ich mir dann aus dem Test nichts gemacht und meinen Spaß dabei gehabt.
Das Quiz war dann umso lustiger und umso weniger erfolgreich, es waren so Fragen wie… “Auf einer Party schüttelt jeder jedem nur ein einziges mal die Hand, es gibt 28 Händeschüttler, wie viele Leute sind auf der Party?” – die richtige Antwort wäre 8 gewesen, ich hab durch einen dummen Fehler 7 abgegeben (man schüttelt sich selbst ja eben nicht die Hand, deshalb 8). Aber den GLEICHEN Fehler haben auch die Veranstalter gemacht, namentlich ein paar Mathe-Studenten der University of Texas at Tyler. Naja, unseren Spaß haben wir vier als Gruppe bei dem Quiz gehabt, auch wenn wir den letzten Platz belegt haben. Wir haben eben keine Koreaner wie die privaten High Schools… (das ist jetzt kein rassistischer Scherz. Die drei privaten HS hatten wirklich quasi fast alle ihre koreanischen Austauschschüler geschickt, wir waren zu viert angereist, die jeweils mit 20 Mann.)
Das mit dem Marching geht doch nicht so schnell wie geplant, denn mein “Lehrer”, also der Schüler dessen Spot ich auf dem Field übernehmen werde, hat es in meiner ersten “Unterrichtsstunde” verpatzt, mir zu erklären, wie denn dieses komische “Choir Marching” überhaupt funktioniert. Was dann Mr. Ketchom, Head Band Director von was weiß ich, in meiner zweiten Stunde nachgeholt hat, die dann aber erst Donnerstag war. Somit konnte ich am Freitag und Samstag noch nicht teilnehmen, weil ich mit der Performance noch nicht sicher genug war. Freitag beim normalen Football-Game, Samstag beim UIL Marching Contest.
Und der UIL Marching Contest war so eine Sache für sich. Seit 25 Jahren hatte unsere Band keine eins, also die beste Note in diesem Contest, bekommen – aus einem banalen Grund: Vor 24 Jahren hat der Band Director und Gründer der JT Big Blue Band die Juroren als Rassisten beschimpft. Seitdem bekommt John Tyler keine eins. Und deshalb war die Enttäuschung unter den Schülern auch ziemlich groß (ja, groß); als ALLE, wirklich ALLE teilnehmenden Bands eine eins bekommen haben, und bei John Tyler hieß es…
John Tyler High School – Division: Two
Es gab ein paar Ooohs, es gab “John Tyler”-Rufe im Stadion, und eigentlich hatten sogar während unserer Show schon Zuschauer geklatscht; also schlecht war es nicht. Dafür haben wir dann im Gegenzug als einzige Band beim Auszug aus dem Stadion noch Stimmung gemacht, – im Gegensatz zu den anderen Bands, die größtenteils Military Marching aufgeführt hatten. Stimmung, genau, laute Stimmung; in ungefähr so, dass auf dem Parkplatz ein paar Auto-Alarmanlagen losgegangen sind (ja, eigentlich ist unser Sound, auch die Lautstärke, gut – aber die Stimmungsmacher sind eben laut).
Übrigens, das hat mir mein Gastdad dann erzählt, 2002 oder 2003 hat die Big Blue Band den Lion King performt, und dafür eine drei bekommen. Da ist sogar die eigentlich quasi Erzfeind-Band – die “Red Raiders” der Robert E. Lee High School, die andere High School in dieser Stadt (diese “Feindschaft” darf man sich so vorstellen wie mit dem Mauritius-Gymnasium und dem Liebfrauen-Gymnasium) – selbst die sind aufgestanden und haben die Juroren ausgebuht, sodass die dann aus dem Stadion mit Security-Personal eskortiert werden mussten.
Und, eine Lektion hab ich dabei auch gelernt: Wenn du nicht spielen sollst und den anderen nur am Rande des Feldes zuguckst – und wenn das ganze um 20 Uhr am Abend passiert – BRING ‘NE JACKE MIT! Otherwise you will freeze to death.
So sieht Kirche in Texas aus (zumindest die baptistische):
Am Flügel: Mein Gastvater, Robert
Am Piano: Mein Gastbruder, Alex
Die Ankündigung: Tom, “Music Minister”
Übrigens, schaut euch den Gesichtsausdruck von Casey an (Sängerin, zweite von links), die hat Alex’ Piano-Spiel bei der Performance zum ersten Mal gehört oder mitbekommen, dass er in der Messe spielen sollte… die war völlig perplex :D
Meine Familie ist kurz gesagt ein ziemliches Chaos. Das heißt, mein Gastvater – Robert. Meinen Gastbruder hab ich noch gar nicht kennengelernt.
Hier ist es unordentlich, unaufgeräumt, durcheinander – aber ich mag’s. Der Typ ist irgendwie cool, und wenn er am Piano sitzt, kommt er davon nicht mehr weg. Und das hat er drauf. Also, das Klavier spielen – im Gegensatz zur guten Organisation. Das Auto hat sein Pflegesohn halb schrott gefahren, und hier laufen jede Menge Tiere rum. Zwei Hunde, mindestens fünf Katzen, zwei Schlangen, … und tausende mehr. Im Gegensatz zu all dem alten, ungepflegten Zeugs, was hier rumsteht, steht im Wohnzimmer ein riesiges Teil von LCD-TV. RIESIG. (Gut, ungepflegt sieht er auch aus) – aber: RIESIG. Ein richtig fettes Ding.
Inzwischen war ich auch schon in einem Wal-Mart. Das ist doch alles vollkommen oversized, völlig übertrieben – hab ich den Eindruck. Eine ganze Regalreihe nur für Kornflakes, eine ganze Reihe nur für Kekse.
Ach ja, wann die Schule anfängt – keinen Schimmer. Morgen haben wir ‘n Meeting mit dem Direktor.
We are three exchange students from Germany blogging abroad - in the United States, Canada and New Zealand! We will write about our experiences and impressions, but also about disappointment. Stay tuned!